Drei-Schluchten-Damm

Es war heute eigentlich mein vorletzter Tag in der Klinik. Die komplette Gruppe ist diese Woche auf der TCM eingeteilt. Man muss schon zugeben, dass wir in Guangzhou sehr verwöhnt wurden. Daher wirkt die Betreuung in Wuhan sehr dürftig. Da es den Chinesen jedoch genauso wichtig ist, dass wir ihr schönes Land kennen lernen, wie sie ihren Mittagsschlaf pflegen, wollte ich nicht unhöflich erscheinen und habe den heutigen Tag zum Reisen genutzt. (-:

Nur zwei Zugstunden von Wuhan entfernt, befindet sich die 4 Millionenstadt Yichang. Sie ist das Tor für die berühmte Yangtsekreuzfahrt, die in keinem Standard-Touristen-China-Rundreise-Programm fehlen darf. Ursprünglich hätte ich auch gerne so eine Kreuzfahrt gemacht. Dies wäre aber nur gegangen, wenn wir wie anfangs geplant die komplette Zeit in Wuhan geblieben wären, da man mindestens 4 Tage hierfür einplanen muss. Meine Notlösung wäre gewesen mit dem Nachtzug zum anderen Anfangspunkt zu fahren und dann mit dem Schnellboot durch die berühmten Schluchten zurück zu schippern. Diese Nachtzüge scheinen aber extrem beliebt zu sein und sind schon lange im Voraus ausgebucht.

Meine Schmalspurvariante bestand heute darin, morgens mit dem Zug nach Yichang zu fahren. Dort wollte ich mit dem Schnellboot zwei Stunden Strom aufwärts und anschließend wieder zurück düsen. Am Bahnhof angekommen, hatte man mir das Ticket auch fast schon verkauft, bevor meine hartnäckige Nachfrage endlich verstanden wurde. Angeblich hätte ich am selben Tag nicht mehr mit einem Schiff zurückkommen können. Die Anlegestelle für diese Boote befindet sich auch nicht in Yichang selbst sondern noch weit davon entfernt hinter dem Damm. Lediglich die Busse dorthin starten in Yichang. Also habe ich mein Sightseeingprogramm noch weiter reduziert und mich auf die Besichtigung dieses Drei-Schluchten-Damms – dem größten Staudamm der Welt – beschränkt.

Die Fahrt dorthin mit den öffentlichen Bussen (2x umsteigen) dauerte wiederum ca. 2 Stunden. Am Besucherzentrum angekommen wurde ich wieder in einen Bus verfrachtet und zum Staudamm gefahren. Die ersten Minuten war dort überraschend wenig los. Dies sollte sich schlagartig ändern, als eine Armee von Kreuzfahrttouristen angekarrt wurde. Auch eine Reisegruppe von Deutschen war dabei. So viele und dann noch muffige Deutsche habe ich schon lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Zwar gehen einem diese ungehobelten Chinesen mit der Zeit schon auf die Nerven, v.a. wenn sie permanent in der Gegend rumschreien oder wild ihren Rotz aus den tiefsten Bronchien hochziehen, um ihn dann lautstark, stolz wie Oskar auf die Straße zu befördern. Andererseits erscheinen einem diese kleinkarierten deutschen Pauschaltouristen auf die ich getroffen bin, auf einmal auch ziemlich fremd. (-:

Von der Aussichtsplattform hatte man einen tollen Blick auf das spektakuläre Bauwerk. Das war es dann aber schon. Halt nein, da war ja noch die Ausstellungshalle. Diese bestand aus einem Raum in dem ein 3D-Model des Damms aufgebaut war. Um das Modell herum gruppierte sich eine Schaar von Chinesen, die sich von einer, mit einem auf volle Lautstärke aufgedrehten Mikrofon bewaffneten Reiseführerin, beschallt ließen. Der zweite Raum war ein kleines Eldorado für Kitsch-Pauschal-Touristen. Die große Auswahl an überteuerten Souvenirs müssen das Herz des Zielpublikums höher schlagen lassen.

Schiffsschleuse
Schiffsschleuse

IMG_0385 - Kopie

Schiffsschleuse
Schiffsschleuse

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Souvenirs
Souvenirs

Von dieser Plattform wurde man mit dem Bus zunächst zu einem zweiten Aussichtspunkt gefahren und anschließend auf die andere Flusseite. Das war insofern ganz witzig weil ich ja keinen Schimmer hatte, was es noch so alles zu sehen gibt, bzw. in welchen Bus ich steigen muss oder wo dieser hinfährt. Teilweise wurde ich auch von einem Bus zum nächsten geschickt. Der reine Besucherbus mit Chinesen wollte mich nicht mitnehmen und schickte mich zu den Kreuzfahrtbussen (alles Busse sahen gleich aus). Für diesen fehlte mir aber das obligatorische Halsbändchen, so dass ich hier auch nicht rein durfte. Schließlich habe ich mich doch als Chinese ausgegeben und bin bei ihnen mit gefahren.

Der Damm
Der Damm

Als wir auf die andere Flussseite fuhren, dachte ich erst, dass ich wirklich falsch bin, aber es folgte noch ein kleiner Erlebnispfad. Selbstverständlich wurde man in bester Ikea-manier auch hier wieder durch einen Souvenirshop gelotst. Vielleicht hat der ein oder andere ja vergessen etwas im ersten Shop mitzunehmen… Von dort ging es schließlich tatsächlich wieder zurück zum Ausgangspunkt und nicht auf irgendein Schiff.

Der Damm
Der Damm

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Schiffsaufzug - noch im Bau
Schiffsaufzug – noch im Bau
Für Tobi! (-;
Für Tobi! (-;

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Meine restliche Zeit in Yichang nutzte ich um gemütlich am Fluss entlang zu bummeln und mir ein passendes Lokal zum Abendessen zu suchen. Am Liebsten gehe ich authentisch essen. Das heißt dort, wo sich die Einheimischen versammeln. In einem kleinen Straßenlokal habe ich mir am Eingang verschiedenes Gemüse ausgesucht und mir zu bereiten lassen. Wie ihr seht kann chinesisches Essen tatsächlich lecker sein! Schließlich habe ich mich nochmals an den Fluss gesetzt, mir ein Buch geschnappt und den Sonnenuntergang beobachtet.

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Abendessen
Abendessen
Abendessen
Abendessen
Abendessen
Abendessen
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Fischzubereitung

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Hühnerfüße
Hühnerfüße

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