Guangzhou Tage 3-5

Von den letzten drei Tagen gibt es touristisch nicht allzu viel zu berichten, da die Freizeitgestaltung durch das Wetter sehr eingeschränkt wurde. Momentan zieht ein Taifun über China hinweg. Zum Glück herrscht hier kein Katastrophenalarm wie wohl in Taiwan, dennoch regnet es die letzten drei Tage fast ununterbrochen. Die meiste Zeit davon schüttet es aus allen Wolken.

Am Mittwoch durften wir schon um 10 Uhr unsere verlängerte Mittagspause beginnen, um uns die Stadt anzusehen. Da es zu diesem Zeitpunkt nur leicht geregnet hat und der Stundenplan für uns extra ungeplant wurde, haben wir den nächstbesten Bus ins Zentrum genommen. Selbst zu dieser Zeit sind die Straßen überfüllt, so dass die Fahrt eineinhalb Stunden dauerte. Letzten Endes bestand der Ausflug jedoch mehr daraus, sich den nächsten trockenen Unterschlupf zu suchen, als Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.

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chinesische Arzeimitel
chinesische Arzeimitel
chinesische Arzneimittel
chinesische Arzneimittel
chinesische Arzneimittel
chinesische Arzneimittel

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Am Nachmittag wurden wir von Dr. Zhou durch die TCM-Apotheke geführt. Das war für mich selbstverständlich äußerst interessant. Ich hatte mein Lehrbuch dabei und sie führte mir geduldig alle Arzneimittel vor, die ich ihr in dem Buch gezeigt hatte. Darüber hinaus gab es aber auch allerlei kuriose Mittel wie z.B. Elefantenknochensplitter oder getrocknete Seepferdchen zu bewundern.

Blick aus dem Krankenhaus
Blick aus dem Krankenhaus
unser Wohnheim rechts neben dem "Pool" aus dem Krankenhaus fotografiert
unser Wohnheim rechts neben dem „Pool“ aus dem Krankenhaus fotografiert
Elefantenknochen
Elefantenknochen

 

 

Wespenpanzer
Wespenpanzer

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Tausendfüßler
Tausendfüßler

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Nach dem üblichen Gruppenfoto vor der Apotheke wurden wir zu der Chefin der Nephrologie gebeten. Sie hatte 4 Jahren an der Berliner Charité studiert, dort promoviert und war ganz heiß darauf uns kennen zu lernen. Nach einem ersten krampfhaften Smalltalk hatte die Professorin uns zuerst mehrmals zu ihrem Kongress am Wochenende in unserer Klinik und anschließend ganz spontan zum Abendessen eingeladen. Eigentlich wollte sie sich an diesem Abend mit ihrem Mann und seinen „Freunden“ treffen. Ihr Mann hatte sogar 8 Jahre in Berlin studiert und gearbeitet. Seine Freunde waren wohl eher seine Geschäftspartner. Aber das scheint für die Chinesen das Gleiche zu sein. Und je größere Geschäfte man macht, umso besser ist wohl auch die Freundschaft! Was ist da denn geeigneter, als seine Freunde in ein Nobelrestaurant auszuführen und nebenbei noch etwas geschäftliches zu besprechen. :-)

Uns war das insofern etwas unangenehm, da wir immer noch die feuchten, muffigen Klamotten vom Stadtausflug an hatten und keine Möglichkeit mehr zum frisch machen hatten. Andererseits waren wir auch froh direkt in ein Auto steigen zu können. da es mittlerweile einen richtigen Wolkenbruch gab.
Im Restaurant wurden wir kurz den Freunden vorgestellt und anschließend in ein eigenes Séparée geführt. Im Wechsel wurden wir mit der Anwesenheit der Professorin oder ihres Mannes beglückt, die beide sehr froh waren ihre Deutschkenntnisse aufzufrischen. Im Gegenzug wurden wir ein weiteres Mal mit chinesischen kulinarischen Highlights verwöhnt. Nicht umsonst genießt die kantonesische Küche den Ruf, die beste ganz Chinas zu sein. Am späten Abend bot  unser Gastgeber noch eine private Stadtrundfahrt an. Wegen des Unwetters waren die Straßen leer und die Stadt bei Nacht zu sehen war jedoch sehr beeindruckend.

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Den gestrigen Tag verbrachten wir ausschließlich auf dem Campus. Lediglich am Abend ließ der Regen etwas nach, so dass wir uns zum Essen in die nahe Umgebung trauten.

Überschwemmung im Wohnheim
Überschwemmung im Wohnheim

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TCM Unterricht
TCM Unterricht

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Heute stand zum letzten Mal Akupunktur auf dem Stundenplan. Die kommende Woche sind wir alles auf „westlichen“ Stationen eingeteilt. Mittlerweile durfte die ganze Gruppe munter beim Nadelnsetzen helfen. Nach einer Woche hat sich mein Eindruck nur noch gefestigt, dass man hier natürlich eine große Routine besitzt, die Wahl der Punkte jedoch recht unkompliziert gehandhabt wird. Frau Dr. Zhou dagegen ist auf Pharmakologie spezialisiert und scheint ihre Patienten recht fundiert zu behandeln.

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Nachdem alle Patienten genadelt wurden, entdeckte ich in der Ambulanz die Tuina-Abteilung (chinesische Manuelle Therapie), wo einige TCM Studenten unter Aufsicht eines Professors ihre Techniken an Patienten einübten. Ich wurde auch prompt eingeladen eine Patientin mit zu behandeln. Diese traute der fremden Langnase jedoch nicht und wehrte mein Angebot vehement ab. Eine andere Patientin etwas später war schon mutiger. Als ich mich der Patientin näherte, wurde ich von den Studenten zunächst belächelt. Umso überraschter waren sie, als sie bemerkten, dass ich mich doch nicht so ungeschickt anstellte wie erwartet. Im Gegenteil, ich wurde sofort für meine Haltung gelobt und diente den Studenten als Vorbild. Allerdings ging ich mit der Patientin aus deren Sicht viel zu sanft um. Immer wieder kam der Professor zu mir und zeigte mir wie heftig ich die Patientin zu bearbeiten hätte. Diese schien jedoch ganz froh darüber zu sein, endlich mal nicht restlos gequält zu werden. Außerdem korrigierte er des Öfteren meine Ausführungen. Schließlich hielt ich mich nicht genau an die gezeigten Techniken, sondern passte die Ausführung immer wieder meinen Bedürfnissen an. Erstaunt reagierte der Professor auch, als ich nach 10 Minuten immer noch nicht schlapp machte. Ständig fragte er nach, ob ich nicht eine Pause brauchen würde. Wenn der wüsste wie lange ich das manchmal an einem Tag mache… :-) Am Ende lobte er meine Basic Skills. Sie seien sehr gut und besser als bei vielen seiner Studenten. Um mich auf Masterniveau zu bringen, müsste ich aber noch etwas von ihm unterrichtet werden. :-)

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Am Nachmittag wurden wir am Klinikum abgeholt und in die Stadt zum Nationalen TCM-Kongress gefahren, wo sich alle möglichen TCM-Größen des Landes treffen. So ein Kongress läuft nicht viel anders ab als bei uns. Wichtige Leute halten Vorträge und das Plenum sitzt gelangweilt (bis schlafend) da und wartet auf die Pause um sich an den Ständen kostenlos den Bauch voll zu schlagen oder sich die Tüten mit Give-aways zu füllen. Natürlich haben wir nichts verstanden, es war wohl aber erwünscht dass wir zum „Zeigen“ mitkommen. Schließlich kann man dann tolle Fotos von uns schießen und behaupten der Kongress hätte sogar Ausländer angezogen. Da wir bislang nur verwöhnt wurden in Guangzhou, spielten wir das Spiel mit. Die Zeit nutzte ich dafür um diesen Artikel zu schreiben und wartete geduldig auf das Abendbuffet.

Überall wo wir in China – und ganz besonders in Guangzhou – hinkommen werden wir behandelt wie VIPs und alle wollen Fotos von uns schießen. Beim Gala-Dinner im angegliederten Luxushotel, durften wir zudem alle wichtigen Hände schütteln. Diesmal wurde allerdings keine Rücksicht auf westliche Geschmacksnerven genommen und es kamen typische chinesische Köstlichkeiten wie z.B. Froschschenkel auf den Tisch. Da ich der einzige Mann am Tisch waren mir auch die besten Stücke des komplett servierten Hühnchens vorbehalten: die Füße und der Kopf. Vielleicht war es ja etwas unhöflich, aber ich lehnte dies genauso erfolgreich ab wie die Schnappsrunde mit dem Kongressvorsitzenden. Nach einem kleinen Spaziergang am Ufer des Perlflusses kehrten wir noch auf einen kurzen Abstecher zum Abendprogramm zurück. Allerdings waren die Lautsprecher so laut, dass wir selbst mit Ohrenstöpsel noch Schmerzen hatten und bald den Heimweg antraten.

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p.s. die Klinikbilder von Wuhan habe ich bereits im entsprechenden Artikel ergänzt

2 Kommentare


  1. ·

    Lieber Johannes,
    Dein Bericht gefällt mir ausgesprochen gut. Bei Magenverstimmung haben die dann sicher auch was Tolles anzubieten.
    Waren mit Oma Eisessen. Auch von ihr liebe Grüße
    Marina

    Antworten

  2. ·

    Hallo Hannes,

    zum Glück ist bei Euch keine Katastrophenwarnung! Die Bilder von der Ambulanz sind ja wahnsinn und da beschwert sich warscheinlich niemand wann er endlich dran kommt! Weiterhin eine schöne Zeit und liebe Grüße aus der Heimat :-)!

    Helga

    Antworten

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