Rajasthan – auf den Spuren der Maharadscha & Mogulen

Wir schreiben Sonntag, den 29. September; Ortszeit 16 Uhr 16; Aufenthaltsort Indien irgendwo im Niemandsland zwischen den Städten Jodhpur und Jaisalmer im Bundesstaat Rajasthan. Nach Jaisalmer soll es bis zur Pakistanischen Grenze mehr oder weniger nur noch Wüste geben. Aber auch hier ist die Landschaft schon sehr karg. Nach einer Woche habe ich das Gefühl wirklich in Indien angekommen zu sein. Wir befinden uns als Exoten in einem Bus – dessen Baujahr ich lieber nicht wissen möchte – eingeengt zwischen unserem Reisegepäck (der Laderaum des Busses ist mit Wasser überschwemmt) und den anderen indischen Mitreisenden. Seit Stunden holpert der unklimatisierte Bus über asphaltierte Straßen oder staubige Pisten. Der Gang neben uns ist mit stehenden Fahrgästen gefüllt, dicht über unseren Köpfen drängen sich Passagiere in „Schlafkabinen“. Der Typ vor mir versucht wiederholt seine Haare wie meine zu „stylen“:-)Von Zeit zu Zeit passieren wir eine kleine Siedlung, wo der Bus zum Ein- oder Aussteigen kurz anhält. Dies nutzen dort ansässige Kinder, um durch das Fenster Snacks oder Getränke zu verkaufen. Aber ich beginne lieber von vorne.

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Mit gerade mal einer Stunde Verspätung sind wir fast schon pünktlich am Donnerstag Mittag in Agra gelandet. Um uns schrittweise auf unsere „private Rundreise“ vorzubereiten, haben wir uns für drei Tage einen Fahrer organisiert, der uns am Flughafen erwartet hat. Das südlich von Delhi gelegene Agra hat eine ganz besondere Attraktion zu bieten: das Taj Mahal. Zuerst sollten wir jedoch das Agra Fort besichtigen. Nur gut zwei Kilometer vom Taj entfernt, liegt diese, vom berühmten Mogul Akbar dem Großen von 1565 und 1573 errichtete Festungsanlage.

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Das Taj Mahal dagegen, wurde vom Mogul Shah Jahan, dem Enkel Akbar des Großen, als Zeichen seiner Liebe für seine verstorbenen Lieblingsfrau errichtet. Sie starb bei der Geburt ihres 14. Kindes. An den Bauarbeiten waren ungefähr 20000 Arbeiter beteiligt. Die perfekte Symmetrie der Anlage, soll aus islamischer Sicht das Paradies verkörpern. Der machtgierige Sohn dieses Moguls putschte jedoch gegen seinen Vater und ließ ihn bis zu seinem Tod im Agra Fort einsperren – das Taj Mahal immer im Blick. Nach seinem Tod wurde er neben seiner Frau begraben.

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Der Besuch dieses Mausoleums war ohne Zweifel ein weiterer Höhepunkt. Dadurch, dass man das Taj Mahal schon unzählige Male auf Bildern gesehen hat, befürchtete ich, dass die Besichtigung den Erwartungen nicht standhalten kann. Genau das Gegenteil war jedoch der Fall. Das Taj Mahal ist ein Bauwerk unbeschreiblicher Schönheit. Fällt der Blick einmal darauf, möchte man seine Augen am liebsten gar nicht mehr abwenden. Nicht ohne Grund ist es eines der am meisten fotografiertesten Gebäude der Welt.

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Am folgenden Tag fuhren wir mit unserem Fahrer ca. 300 Kilometer westwärts nach Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans. Für diese Strecke muss man hier ungefähr sechs Stunden einkalkulieren. Unterwegs besichtigten wir die nahe Agra gelegen Geisterstadt Fatehpur Sikri. Sie war einst Akbars prunkvolle Reichshauptstadt, wurde aber aus nicht geklärten Gründen nach nur 14 Jahren verlassen.

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Die Stadt Jaipur ist ein wichtiger touristischen Anlaufspunkt für Rundreisen durch Rajasthan. Immerhin befinden sich hier einige bedeutende Attraktionen. Wir begannen den Tag mit der Besichtigung des wenige Kilometer außerhalb liegenden Amber Fort. Majestätisch thront es auf einem Berg über einem See. Den kurzen Aufstieg zum Eingang kann man auf einem Elefanten reitend bewältigen, wir entschieden uns jedoch für den direkten Weg zu Fuß. Oben angekommen erwartete uns eine ausgelassene Stimmung. Wohl aufgrund des Welttourismustages musizierten und tanzen Folkloregruppen zur Begrüßung. Aber auch die Palastanlage – ein weiterer Zeuge unvorstellbaren Reichtums und Machts der Mogulen – war schwer beeindruckend. Fast schon enttäuschend wirkte die trostlose, hinter dem Palast gelegene Festungsanlage.

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Ein weiteres Aushängeschild Jaipurs ist die als Pink City getaufte Altstadt. Um die schlechte Qualität des Baumaterials zu kaschieren, bemalten die Bewohner ihr Stadt mit einer Farbe, die jedoch eher einem rostrot gleicht. Im Zentrum befindet sich der „pinkfarbene“ und teilweise noch bewohnte Stadtpalast sowie der Palast der Winde.

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Palast der Winde
Palast der Winde

Nach diesen drei geführten Reisetagen, sprangen wir am gestrigen Samstag ins kalte Wasser und setzten unserer Rundreise ohne weitere Begleitung fort. Mit dem Bus fuhren wir wiederum ca. 300 km weiter Richtung Westen nach Jodhpur. Auch in dieser Stadt gibt es eine berühmte Festung – angeblich eine der schönsten ganz Indiens. Allerdings begrüßte uns die Stadt mit heftigen Regenfällen, die auch hier zu Straßenüberschwemmungen führten und eine Stadtbesichtigung unmöglich machten. Da der Regen auch heute noch anhielt, entschieden wir uns kurzer Hand das Programm zu ändern und einen Tag früher nach Jaisalmer aufzubrechen. Die einzige Reisemöglichkeit bestand jedoch in dieser einfachen Busverbindung. Sollten wir Jaisalmer unversehrt erreichen, werde ich im nächsten Blog von der Wüstenstadt berichten.

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1 Kommentar


  1. ·

    Hallo Ihr zwei,

    superschöne Bilder und tolle Eindrücke! Wünsch Euch weiterhin eine tolle Zeit, passt auf Euch auf!
    Liebe Grüße aus der kühlen Heimat :-)

    Helga

    Antworten

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