Wuhan Tag 1: Die Famulatur beginnt

Vielen Dank an dieser Stelle für eure Kommentare, über die ich mich immer sehr freue! Bitte wundert euch nicht wenn ihr sie nach dem Abschicken nicht sofort online seht. Ich bin hier in China und es muss zwecks Zensur alles Kontrolle gelesen werden. Nein, im Ernst, es ist nur ein Spamschutz. Jeder der zum ersten Mal einen Kommentar verfasst, muss von mir kurz autorisiert werden. Beim zweiten Mal müssten die Kommentare direkt online gehen!

Viele werden sich bestimmt fragen was eine Famulatur überhaupt ist. Der Famulus ist ursprünglich der Knecht und als Famulatur wird ein im Laufe des Studiums vorgeschriebenes Praktikum bezeichnet.

Meine Ankunft gestern in der Universität gestaltete sich wieder ziemlich problemlos. Unsere Betreuerin Silja, eine mit einem chinesischen Arzt verheiratete deutsche Ärztin, hatte mir die chinesische Anschrift eines bekannten Hotels genannt um mich dort abzuholen. Sie hatte etwas Angst mich in dieser chinesischen Metropole von ca.  8 Millionen Einwohnern zu verlieren. Daher sollte ich mich von einem Taxi in dieses Hotel bringen lassen. Da der Bus Wuhan aber sehr pünktlich erreicht hat, sah ich es als sportliche Herausforderung, das Hotel ohne Taxi zu finden. So habe ich mich bis zur nächsten Metrostation durchgefragt, bin drei Stationen gefahren und dann noch mit meinem ganzen Gepäck einen knappen Kilometer gelaufen. Die Hotelangestellten an der Rezeption sprachen zum Glück Englisch, so dass ich sie um einen Anruf bitten konnte. Witzigerweise behaupteten sie zunächst, dass man von ihrem Telefon nur hausintern telefonieren könne. Wahrscheinlich dachten sie, ich würde gerne einen internationalen Anruf tätigen. Schließlich haben Sie mich unter dem Verweis, ich müsse den Anruf bezahlen doch an den Guest Service weitergeleitet. Nach ca. 10 Minuten wurde ich wie besprochen von Silja abgeholt und in das internationale Campushotel gebracht. Da ich der einzige männliche Teilnehmer unserer sechsköpfigen Gruppe bin, habe ich sogar ein Einzelzimmer bekommen. Silja war übrigens sehr überrascht wie ich das Hotel finden konnte. Auch heute wurde ich schon des Öfteren von anderen Mitarbeitern darauf angesprochen, dass ich selbständig und dann noch mit dem Bus gekommen sei. Das hat sich hier ziemlich schnell herumgesprochen. (-;

Kurz nachdem ich in meinem Zimmer angekommen bin, wurde wegen Bauarbeiten der Strom für 3 Stunden abgestellt. Im Zimmer selbst konnte man es wegen der Hitze aber keine 5 Minuten aushalten. Daher habe ich die Zeit genutzt, den Campus und die nähere Umgebung zu erkunden. Später am Abend habe ich dann den Rest der Truppe im Hotel getroffen.

Die Famulatur heute Morgen hat sehr gemütlich begonnen. 10 vor 10 haben wir uns mit Silja getroffen, die uns zum Meeting mit ihrer Chefin geführt hat. Frau Zhou (Director of the international Exchange Office) hat uns im äußerst exquisit gestalteten Konferenzsaal im obersten Stockwerk des Klinikgebäudes empfangen. Nach einer kurzen herzlichen Begrüßung hat sie einen typischen Chinesischen Vortrag über die Klinik bzw. die Uni gehalten. Das heißt es wurden pausenlos Zahlen aufgezählt, was für Chinesen sehr bedeutsam ist. Wie viele Tausend Mitarbeiter, wie viele Stationen, wie viele Patienten am Tag (alleine 10000 in der Ambulanz!), wie viele Betten (4000). Kurz und knapp, uns wurde allen eingetrichtert, dass wir an einer der besten Kliniken des ganzen Landes gelandet sind.

Anschließend wurden noch ein paar organisatorische Dinge erledigt (Arbeitskleidung, Ausweise…), bevor wir uns um 11:30 wieder mit ihr und zwei weiteren Mitarbeitern zum Lunch trafen. Aber anstatt in die Mitarbeiterkantine zu gehen, wie wir alle dachten, wurden wir in ein sehr edles Séparée geführt. Hier wurden uns allerlei lokale Köstlichkeiten serviert: Papaya mit Soße, Muscheln mit Glasnudeltopping, speziell zu bereitete Stücke von Rind- und Schwein, diverse Fische, Gemüse, Kartoffelbälchen, Mangokroketten und, und, und. Dabei wollten sie immer wissen was uns besonders schmeckt. Als wir irgendwann völlig gesättigt aufgaben, wurde die Bedienung gebeten uns die Reste von unseren Lieblingsspeisen für den Abend einzupacken. Abgerundet wurde der Vormittag mit einer ausgiebigen Mittagspause zum Verdauen. Im Vergleich zu meinen bisherigen Famulaturen in Deutschland, kann man sich an so einen Auftakt schon gewöhnen!

Reste des Mittagessens: Bautse (oder so) leckere Dampfnudeln mit Fleischfüllung
Reste des Mittagessens:
Bautse (oder so) leckere Dampfnudeln mit Fleischfüllung
Reste des Mittagessens
Reste des Mittagessens
Reste des Mittagessens: Fisch der ursprünglich angerichtet war wie ein Eichhörnchen
Reste des Mittagessens:
Fisch der ursprünglich angerichtet war wie ein Eichhörnchen

Am Nachmittag wurden wir schließlich doch auf unsere Stationen geführt. Ich hatte als Wunsch die Herz-Thorax-Chirurgie angegeben. Leider wurde mir dieser nicht erfüllt und ich bin in der HNO – nicht gerade mein Lieblingsgebiet – gelandet. Da der Professor zu der Zeit in der Ambulanz war, wurde ich gemeinsam mit einer zweiten Studentin dorthin geführt. Die Ambulanz ist ein eigenes Hochhaus mit zig Abteilungen, wobei man sich bei 10000 durchgeschleusten Patienten das vorherrschende Chaos nur ansatzweise vorstellen kann. Herr You, mein zuständiger Professor, wurde mir kurz vorgestellt. Zunächst schien er nicht sehr begeistert über sein neues Anhängsel zu sein. Nachdem er seinen Patienten aber abgearbeitet hatte, kam er auf mich zu und stellte sich mir, überraschenderweise in relativ gut verständlichem Deutsch, vor und führte mich durch die ganze Abteilung. Wieder an seinem Arbeitsplatz angekommen, arbeitete er sich geduldig durch die Patientenflut und fand nebenbei immer Zeit mir kurz das Krankheitsbild des Patienten zu erklären. Er berichtete ein Jahr am Klinikum Fulda gearbeitet zu haben und war nun wohl sogar erfreut darüber, seine Deutschkenntnisse wieder auffrischen zu können.

Über die Umstände in der Klinik möchte ich aber die nächsten Tage noch einmal separat berichten. Morgen früh stehen zwei Nasenoperationen an zu denen er mich wohl mitnehmen wird.

Love-Zone am U-Bahnsteig
Love-Zone am U-Bahnsteig

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Abendstimmung am Yangtse
Abendstimmung am Yangtse
Abendstimmung am Yangtse
Abendstimmung am Yangtse
Abendstimmung am Yangtse
Abendstimmung am Yangtse
Abendstimmung am Yangtse
Abendstimmung am Yangtse

6 Kommentare


  1. ·

    Hallo Hannes,

    wow 10000 Patienten in der Ambulanz, das kann man sich ja gar nicht vorstellen! HNO ist doch schön ;-), davon musst du mir unbedingt berichten, wenn du wieder zurück bist! Ich wünsche dir weiterhin eine tolle Zeit und freu mich jeden abend schon auf deine Berichte!

    Liebe Grüße
    Helga

    Antworten

  2. ·

    Ich weiß nicht ob es gestattet und machbar ist, aber es wäre toll, wenn du von der HNO-Ambulanz ein paar Bilder machen könntest :-), das wäre mal interessant!
    GLG

    Antworten
  3. admin
    ·

    Hallo Helga,

    ich glaube, dass es eher unpassend ist dort mit der Kamera durch zu rennen. Aber ich werde versuchen unauffällig mit dem Handy ein paar Schnappschüssen zu bekommen!

    glg

    Antworten

  4. ·

    Hallo Hannes,
    ich verfolge nun seit Anfang an deine Blogs mit wirklich großem Erstaunen. Freue mich schon immer darauf wieder neue Eindrücke von dir mit zu erleben. :-)
    Ich hoffe für dich dass die HNO nicht all zu langweilig wird und du evtl. doch noch auf deine Wunsch-Station kommst.
    Ansonsten wünsche ich dir weiterhin eine gute Reise mit viel Eindrücken und vor allem auch viel Zeit für deine persönlichen Wünsche!
    Grüße Martin

    Antworten

  5. ·

    Nein, natürlich, ich dachte nur mal von einer grade leeren Kabine/Behandlungszimmer, wie das dort aussieht.

    GLG

    Antworten
  6. admin
    ·

    Hi Martin,

    freut mich, dass es euch gefällt.
    HNO ist schon ganz ok. Nicht so spektakulär wie die Thorax-Chirurgie wo ein andere aus der Gruppe gelernt hat. Aber wir versuchen die Anwesenheitszeiten so kurz wie möglich zu halten! (-:
    Wir möchten morgen einen Ausflug machen. Mal sehen ob ich es schaffe morgen etwas über das Klinikleben samt Bildern für Helga zu bloggen. Wenn nicht übermorgen.

    Liebe Grüße nach Deutschland!

    Johannes

    Antworten

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