Wuhan Tage 2-3

Ich habe heute bereits meinen dritten vollen Tag in Wuhan verbracht. Auch wenn ich hier in erster Linie zur Famulatur bin, ist eines klar: Viel Zeit in der Klinik werde ich nicht verbringen.

Wie bereits berichtet bin ich auf der HNO gelandet. Mein Wunsch Herz-Thorax-Chirurgie habe ich v.a. deswegen gewählt, weil man hier einiges zu sehen bekommt. Das ist in der HNO etwas schwieriger. Nachdem ich den ersten Nachmittag noch das Chaos der Ambulanz erleben durfte, war ich die letzten beiden Tage im OP. Ok, Tag ist vielleicht etwas übertrieben. Mein „Dienstbeginn“ ist 8:15. Das ist die Zeit, wo eine kurze Übergabe auf Station stattfindet, und anschließend der ganze Tross zur Visite durch die Zimmer spaziert. Wenig später gehen alle auch schon in den OP. Das hört sich zunächst ganz nett an, allerdings kann man bei HNO-Operationen, sofern man nicht direkt am Tisch steht, i.d.R. nicht viel sehen.

Spannend ist es allerdings die Unterschiede im OP-Management oder im Equipment zu beobachten. Ich glaube ein deutscher Krankenhaushygieneiker würde bei diesem Anblick einen Herzinfarkt bekommen. Wer schon einmal in einem deutschen OP war, weiß dass man sich „einschleusen“ muss. Das heißt, es werden einige Maßnahmen nacheinander durchgeführt um den Saal möglichst keimfrei zu halten. Nicht so hier in China. Zunächst zieht man seine Schuhe aus und wechselt auf handelsübliche Badelatschen. Dann nimmt man sich auf dem Gang einen Pack OP-Klamotten mit und geht damit in die Umkleide. Wer mag kann entweder vor oder auch nach dem Umziehen direkt noch auf die angeschlossene Toilette gehen. Diese ist genauso hygienisch wie alle anderen öffentlichen WCs in China. Wieder auf dem Gang, legt man nun seinen Mundschutz an, setzt eine Haube auf und geht über eine Treppe ein Stockwerk tiefer in den OP-Bereich. Anscheinend befinden sich in dem Geschoss der Umkleideräume auch Seminarräume der Studenten. Wie praktisch, dass man direkt aus dem Lehrsaal die Treppe hinunter in den OP kann! Im OP-Saal angekommen heißt es für den Operateur nur noch kurz in einen „sterilen“ (!?!?) Kittel zu schlüpfen und sich sterile Handschuhe anzuziehen und schon kann es losgehen. Es existieren zwar sog. Waschräume, aber ich habe bislang niemanden darin gesehen.

Am OP-Tisch selbst darf man in Deutschland nur mit großem Sicherheitsabstand herantreten. In dieser Beziehung sind deutsche OP-Schwestern scharf wie Kampfhunde. Wehe man kommt auch nur annähernd in die Nähe des kritischen Bereiches, wird man förmlich zerfleischt. Hier juckt das keinen, wie nahe man an den Tisch oder das Besteck heran kommt. Im OP selbst herrscht auch nicht die typische deutsche konzentrierte Spannung. Es geht hier sehr legere zu. Meistens sitzen ein paar Ärzte herum und schauen einfach zu. Oft – und das trifft v.a. auf die Professoren zu – sind sie allerdings mit ihrem Handy beschäftigt. Wenn sie gerade nicht am Telefonieren sind, schreiben sie irgendetwas, surfen im Internet oder machen auch nette Fotos.

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derjenige, der die ganze Zeit mit seinem Handy tippt, ist der Professor
derjenige, der die ganze Zeit mit seinem Handy tippt, ist der Professor

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Gestern habe ich eine Operation der Nasenscheidewand gesehen. Das war richtig interessant, da man über den Monitor jeden Schritt verfolgen konnte. Heute war ich aber nur bei einer Mandelentfernung dabei. Außer den offenen Mund des Patienten konnte ich nicht so viel erkennen. Was das Equipment betrifft, sind die Sachen entweder uralt oder recht modern. Mir scheint, alles was noch funktioniert wird beibehalten, auch wenn es noch so alt ist. Die wesentlichen Instrumente und Geräte sind jedoch alle vorhanden.

Punkt halb 12 ist für uns Studenten Mittagspause. Gestern sollten wir um 15:30 wieder auf Station kommen. Vorher würde keinen Sinn machen, da alle Ärzte ihren obligatorischen Mittagsschlaf halten. Das macht übrigens ganz Wuhan zu dieser Zeit (siehe Bilder!). Als um 16 Uhr immer noch niemand da war – vielleicht hat der Schlaf etwas länger gedauert – sind wir einfach gegangen. Den anderen aus der Gruppe wurde bereits klar gemacht, dass wir nachmittags nicht kommen brauchen und uns lieber die Stadt anschauen sollen. Das haben wir heute auch gemacht und sind nach dem Mittagessen zu einer Tour auf die andere Flussseite aufgebrochen.

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Die Schlachtecke
Die Schlachtecke

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Hoden
Hoden

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Für heute Abend stand, das große Dinner an. Wir wurden mit von einem kleinen VIP-Shuttlebus abgeholt und sind gemeinsam mit dem Team aus dem Exchange Office und ein paar wichtigen Professoren in ein tolles Restaurant gefahren worden. Dieses Restaurant entpuppte sich als ein wahrer Tempel des Genusses mit einem Buffet unglaublichen Ausmaßes. So durften wir alle möglichen Delikatessen (v.a. Fische in sämtlichen Variationen) auf einmal kosten. Diesmal saß man allerdings nicht, wie in China üblich an runden, sondern an „westlichen“ Tischen. Ich wurde als einziger Mann der Truppe zwischen den ganzen Professoren platziert. Zu Beginn hat der Chairman – ein Professor der Orthopädie – das Wort ergriffen und mir ein kleinen Vortrag über die Bedeutung der Klinik gehalten. Da er chinesisch sprach, musste Frau Zhou, die Direktorin des Exchange Office, simultan übersetzen. Allerdings zählte er genau wie sie in ihrem Vortrag am Montag, die Zahlen und Errungenschaften der Klinik auf. Da sie jedoch so tat, als hätte sie diese Einführung nie gehalten, habe ich mich einfach gefreut, mitgespielt und mich sehr beeindrucken lassen. Anschließend wollten sie von mir auch eine Ansprache hören. Ich fand das ganz witzig und habe das Spiel weiter mitgespielt. Wir seien sehr beeindruckt von der Größe und der Bedeutung der Klinik und seien auch sehr stolz gerade an dieser Klinik unsere Famulatur machen zu dürfen. Bla Bla Bla. Frau Zhou übersetze wiederum mein Englisch ins Chinesische und der Chairman war sehr glücklich, so dass wir nun endlich mit dem Essen anfangen konnten. (-;

Auffällig war auch wie steif jeder der Chinesen am Tisch saß und diesem Chairman in jeder Hinsicht Honig um den Mund schmierte. Er musste jedoch das Dinner vorzeitig verlassen. Danach waren alle um einiges entspannter… Als ich mir gerade mein Dessert besorgt hatte – durch die ganzen „Männergespräche am Anfang bin ich kaum zum Essen gekommen – wurde das Abendessen abrupt um Punkt 8 beendet. Wie wir anschließend erfahren haben bucht man das Buffet für ein bestimmten Zeitabschnitt und der teuerste geht wohl bis 8 Uhr. Die Professoren haben bereits angekündigt mit uns wieder etwas unternehmen zu wollen. Ob sie ihr Versprechen noch einlösen werden bleibt abzuwarten.

6 Kommentare


  1. ·

    Hallo Langnase,

    Gratuliere, das Spiel mit den vielen Ahh`s und Ohh`s hast du schon gelernt.

    meine Empfehlung: im TV Vorabendprogramm läuft tgl. „The Monkey King“.

    Eine spannende Zeit wünsch ich dir

    Anja

    Antworten

  2. ·

    Hallo Hannes,

    vielen Dank schonmal für die beiden Bilder ;-), dein Bericht war auch super interessant, genauso hatte ich es mir dort vorgestellt :-). Muss dir recht geben, HNO-OP´s sind leider nur mit Monitor interessant…ich wünsch dir trotzdem noch eine schöne Zeit dort und vielleicht klappt es ja noch mit einer anderen Abteilung! Meinen Respekt, wie du das dort alles alleine meisterst!

    Liebe Grüße
    Helga

    Antworten
  3. admin
    ·

    @Anja: Danke, ja ich habe mittlerweile echt begriffen, wie der Hase hier läuft (-;

    @ Helga: die OP Bilder sind ja mittlerweile online. Ich habe aber noch einige Bilder für dich aus der Ambulanz bzw. der Station in petto. Die veröffentliche ich sobald ich sie mir per WiFi von meinem Handy laden kann (-:

    Antworten

  4. ·

    Hallo Hannes,

    der beste Artikel bis jetzt, danke für die tollen Impressionen.

    Wir haben dich heute bei unserer standesamtlichen Heirat vermisst! Alles toll verlaufen, der erste große Schritt ist getan 😉

    Ich wünsche dir weiterhin eine tolle Zeit.

    Liebe Grüße

    Benni

    Antworten
  5. admin
    ·

    Hi Benni,

    vielen Dank, freut mich wenn es dir gefällt! Finde es auch total schade, dass ich bei Euren Feiern nicht dabei sein kann!!! Drücke Euch die Daumen, dass bei der kirchlichen Hochzeit alles super wird.

    beste Grüße

    Johannes

    Antworten

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