Wuhan Tage 4-6

Aus medizinischer Sicht waren die letzten beiden Tage wenig gewinnbringend. Dafür stand die Freizeitgestaltung umso mehr im Vordergrund. Da am Donnerstag keine OP anstand, durften wir zu zweit, zunächst dem Tross der Stationsvisite folgen und sind anschließend in die Ambulanz geschickt worden. Immerhin konnte ich die Gelegenheit nutzen unauffällig mit dem Handy einige Bilder zu schießen.  Die Ambulanz war wieder einmal hoffnungslos überfüllt. Daher überrascht es wenig, mit welchem Tempo die Patienten hier durchgeschleust werden. Wir sahen längere Zeit bei der Nasen- & Rachenspiegelung zu. Hier heißt es für die Patienten: hinsetzen, Schlauch schlucken, stillhalten und wieder aufstehen. Die komplette Zeit pro Patient nimmt im Durchschnitt gestoppte 1,5-2 Minuten in Anspruch!

Morgenbesprechung
Morgenbesprechung
Visite
Visite
Visite
Visite

 

Anstehen am Aufzug
Anstehen am Aufzug
Nummer ziehen und warten bin man dran kommt
Nummer ziehen und warten bis man dran kommt
Ambulanz: Eine Kabine neben der Anderen; das beste Mittel gegen Langeweile: sich über die Krankheiten von anderen Patienten informieren (-;
Eine Kabine neben der anderen in der Ambulanz. Das beste Mittel gegen Langeweile: sich über die Krankheiten von anderen Patienten informieren (-;

 

Ambulanz
Ambulanz
Ambulanz
Ambulanz
Ambulanz
Ambulanz
Ambulanz
Ambulanz
Ambulanz
Ambulanz

 

Den Nachmittag habe ich dazu genutzt, meinen Ausflug zum größten Staudamm der Welt und den berühmten 3 Schluchten zu planen. Aber hierzu später mehr. Am Abend wurden wir tatsächlich von 4 Professoren – allen voran ein berüchtigter Neurochirurg mit seinem Kompagnon einem Herzchirurgen – mit einer anderen Gruppe deutscher Studenten in eine Karaokebar eingeladen. Diese Bar befand sich in der gleichen Schicki-Micki Straße wie das Restaurant am Vorabend. Dem entsprechend elitär war auch hier das Ambiente. Wir hatten einen privaten Partyraum inklusive sämtlicher Getränke und Snacks. Viel beeindruckender war jedoch die Show, die diese Professoren ablieferten. Höchst professionell trugen Sie ihre Balladen vor oder überzeugten auch mit deutschen Liedern. Als Specialguest präsentierten sie uns eine lokale, aus einem Castingformat bekannte Sängerin. Je länger der Abend ging, umso ausgelassener wurde die Stimmung. Unser Herzchirurg verließ gemeinsam Arm in Arm mit der Sängerin vorzeitig die Party, ein Rechtsmediziner war völlig knülle – er musste am nächsten Tag ja auch nicht operieren (-; – und den anderen beiden war nun auch kein Auftritt mehr peinlich genug. Alles in Allem also ein sehr witziger Abend.

DSC03003DSC03002 DSC03011

Professor beim Singen
Professor beim Singen

Gestern wurden wir zu dritt von einer Dame aus dem Exchange Office und Chauffeur abgeholt und zum Bahnhof zu fahren. Grund war, dass man uns für die Fahrt nach Guangzhou den ungünstigsten Zug überhaupt gebucht hatte: 18,5 Std Fahrt über die Nacht. Wir hatten schon Anfang der Woche darum gebeten auf den Schnellzug (nur 4 Stunden! für 1050 km) umzubuchen und hatten auch angeboten, die Mehrkosten selbst zu tragen. Bis man uns das organisieren konnte, hat es allerdings bis gestern gedauert. In solchen Dingen scheinen die Chinesen sehr schwerfällig und teilweise auch unüberlegt zu sein. Auch die Umtauschaktion an sich war sehr chaotisch, da die Mitarbeiterin erst die Karten für den falschen Tag getauscht hatte. Dies ist uns zum Glück gleich aufgefallen. Jedoch war ein zweites Umtauschen jetzt nicht mehr möglich. Wir mussten uns also wieder in der riesigen Schlange anstellen, die Karten komplett zurückgeben und in einem dritten Anlauf neu kaufen.

Wie oben schon erwähnt, war ursprünglich mein Plan, am Freitagmorgen mit dem Zug meinen Ausflug zu den Drei Schluchten zu machen. Jedoch braucht man für jede Buchung und Fahrt den Reisepass, so dass ich noch nicht fahren konnte, da dieser ja für das Umtauschen benötigt wurde. Die andere Alternative war den Nachtzug am Freitagabend zu nehmen, am Samstagmorgen dort anzukommen und dann direkt die Tour zu starten. Leider war ich damit gestern jedoch zu spät dran und es war kein Zugticket mehr verfügbar. Ich hoffe nun diese Tour nachholen zu können, wenn ich wieder aus Guangzhou zurückkomme.

Stattdessen habe ich den Tag gestern genutzt um Wuhan besser kennen zu lernen. Zuerst stand der Kranichturm – das Wahrzeichen der Stadt – auf dem Programm. Da es bei so einer Affenhitze von 40 Grad nur so Verrückte wie ich auf die Idee kommen Sightseeing zu machen, war das Areal kaum besucht. Anschließend habe ich mich mit der Gruppe getroffen und wir haben gemeinsam einen taoistischen Tempel besichtigt. Hier wurden wir von einem netten Mönch herzlich auf Englisch begrüßt und in sein Zimmer eingeladen. Das kleine Zimmer war sehr spartanisch eingerichtet. Hier gab uns der Mönch eine kleine Einführung in seine Religion und lud uns zu einem weiteren Treffen ein. Jedoch waren die Mädels aus meiner Gruppe an einer weiteren Vertiefung nicht interessiert, so dass wir unseren Streifzug durch die Stadt bis zum Abend fortgesetzt haben.

IMG_8387
Kranichturm
IMG_8370
Kranichturm
IMG_8430
Kranichturm

Anlage um den Kranichturm

Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Anlage um den Kranichturm
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel

IMG_8565

Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
Taoistischer Tempel
der Mönch
der Mönch
Zimmer
Zimmer

Heute sind wir gemeinsam zum East Lake aufgebrochen. Das ist einer von vielen Seen in Wuhan und wohl der größte innerstädtische See der Welt (die Chinesen sind verrückt nach diesen Superlativen!). Das schöne an der Anlage war – neben dem herrlichen See an sich – dass man das Städtische Ungeheuer hier wirkliche verlassen konnte. Wir haben uns Räder gemietet und sind einen Teil abgeradelt.

East Lake
East Lake
East Lake
East Lake

IMG_8650

East Lake
East Lake
East Lake
East Lake

Am Nachmittag bin ich ohne die Anderen nochmals zu dem taoistischen Tempel gefahren, da ich das Angebot des Mönches nutzen wollte, mir mehr von der Anlage zeigen zu lassen. Als ich an seiner Tür klopfte, war er tatsächlich da. Er schien sich zwar über meinen Besuch zu freuen, hatte wohl aber vielmehr gehofft, ich würde die Mädels im Schlepptau haben. So hat er mich kurz durch die Tempelanlage geführt, mich ein paar seiner Kollegen vorgestellt und versucht mich mit dem Meister bekannt zu machen. Dieser war jedoch in einer Zeremonie vertieft und von meinem Besuch nicht begeistert. Unter der ständigen Nachfrage, ob denn die Mädels nicht doch noch kommen würden, hat er mich in ein nahe gelegenes Restaurant zum Abendessen eingeladen. Witzigerweise hat er uns dort ein ziemlich scharfes Gericht bestellt. Da ich an scharfes Essen gewöhnt bin, hat es mir nichts ausgemacht, wohingegen er sehr schnell die Segel streichen musste. (-; Um ihn zu versöhnen, habe ich ihm in Aussicht gestellt, u.U. nochmals mit den Mädels zurück zu kommen…

p.s. die OP-Bilder im letzten Beitrag sind vervollständigt, die Ambulanz-Bilder folgen noch.

2 Kommentare


  1. ·

    Wahnsinn, pro Patient 1,5-2 Min…! Vielen Dank für die Bilder, freut mich total :-)! Das sind schon beeindruckende Bauwerke, die wenn man direkt vor Ort ist, sicher noch imposanter sind als auf den Bildern!
    Viele Grüße aus der Heimat und weiterhin eine gute Zeit,

    glg Helga

    Antworten

Schreib einen Kommentar zu Marina Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *