Xi’an Tag 1: Terrakotta Armee

Guten morgen,

jetzt beginnt das Abenteuer!

Vielen Dank für eure netten Rückmeldungen! Nachdem ich Euch mit meinen geschichtlichen Ausflügen nicht zu langweilen scheine, werde ich wenn möglich daran festhalten. Es kommt halt immer auf meine Zeit an. Solange ich viel im Bus oder Zug unterwegs bin, kann ich mir das gut einrichten.

Heute werde ich versuchen das Erlebte in Form eines Livetickers zu berichten. Allerdings werde ich das Ganze mangels Internetverbindung nicht direkt posten können.

Ich bin vor gut einer Stunde, um kurz nach 5 aufgestanden. Die erste Tagesaufgabe bestand darin den ersten Airport Express Train um 6 Uhr zu bekommen. Die Station ist etwas mehr als 3 km entfernt. Ein Taxi konnte man mir nicht vorbestellen, also musste ich früh genug los, um zur Not ausreichend Zeit zum Laufen zu haben. Die Auskünfte, ob um diese Zeit Taxen die Straße entlang fahren, waren sehr widersprüchlich. Ich hatte jedoch Glück und recht bald ein freies Taxi gefunden.
Level 1 bestanden!

Level 2 habe ich hoffentlich von zu Hause schon erfolgreich absolviert: Mir ist zum Glück aufgefallen, dass ich den Flug fälschlicherweise für den gestrigen Tag gebucht hatte. Den Flug über eine chinesische Hotline umzubuchen, war meine erste Herausforderung. Ich habe zwar eine Umbuchungsbestätigung, aber man weiß ja nie…

So ich sitze im Flieger. Um möglichst keine Zeit zu verlieren habe ich den frühesten Flieger gewählt. Dadurch dass der Express Train aber erst um 6 startet, war die Transferzeit recht knapp bemessen. Ich hatte zuvor jedoch alle Wege online recherchiert und so ging der Plan trotz längeren Schlangen am Check in genau auf!
Level 2 bestanden!

Ich befinde mich nun im Anflug auf Xi’an. Während Peking noch recht ausländerfreundlich ist und man an vielen Ecken mit Englisch weiterkommt, soll hier das echte China beginnen. Meine nächste Herausforderung besteht nun darin, mit dem Bus in die Stadt zu kommen und von dort ein kleines Stück zu meinem Hostel zu laufen. Anschließend muss ich zum wohl sehr chaotischen und riesigen Busbahnhof kommen. Hier fahren zum einen die Busse zur Terrakotta Armee, zum anderen möchte ich gleich Tickets für meinen morgigen Ausflug zum Hua shan und für die Fahrt nach Wudangshan übermorgen besorgen.

Die Fahrt mit dem Bus in die Stadt war völlig problemlos. Auch mein Luxushostel (mit Flatscreen in meinem Zimmer) habe ich nach einer Phase des kurzen Umherirrens gefunden auch ohne die Hilfe von abgezockten Rikschafahren anzunehmen. Auf dem Weg bin ich an einer Veranstaltung vorbei gelaufen. Erst hat ein chinesischer Sänger etwas für die Zuschauer zum besten gegeben und plötzlich ist ein Clown auf getreten hat irgendwelche Tricks vorgeführt und dazu lief deutsche Partymusik! Irgendetwas von Cowboys , Indianern und an die Theke gehen. Ist nicht der bekannte Cowboy Schlager gewesen, sondern irgendetwas anderes.
Level 3 bestanden!

Bell-Tower: Das Wahrzeichen der Stadt
Bell-Tower: Das Wahrzeichen der Stadt
So eine großeStadt will auch ordentlich mit Strom versorgt werden!
So eine großeStadt will auch ordentlich mit Strom versorgt werden!

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Im Hostel angekommen habe ich im Zimmer nur meinen Rucksack abgestellt und dabei nicht schlecht gestaunt. Super Bett, Flatscreen und ein super Badezimmer mit Regendusche. Ich befürchte, so einen Luxus werde ich in China nicht noch einmal haben. Anschließend bin direkt weitergezogen. Die Busse sind hier alle mit arabischen Ziffern markiert. So konnte ich leicht den Bus zum Bahnhof nehmen. Dort ist es jedoch wirklich chaotisch. Verteilt auf verschiedene Nebenstraßen befinden sich hier unzählige Bushaltestellen. Vergeblich habe ich die Nummer gesucht die im Lonley Planet angegeben ist. Jedoch hat mich beim Losfahren ein geschäftiger Busfahrer als typischen Terrakottatouristen erkannt und mir versichtert er würde da auch hinfahren. Dies war wohl eher ein Linienbus der noch an zahlreichen anderen Stellen hält, aber ich bin nach einer Stunde dort angekommen.

Während meiner Reisevorbereitungen wurde mir des öfteren davon abgraten die Terrakotta Armee zu besuchen. Man läuft nur durch drei Hallen mit den Kriegern und ein kleines Museum, die man schon zuhauf von irgendwelchen Abbildungen kennt. Ich bereue es aber trotzdem nicht hier gewesen zu sein. Wie auch im Flieger nach Peking habe ich heute im Flugzeug die Zeit genutzt, um mir eine Dokumentation über die Armee anzussehen. Mit dem geschichtlichen Hintergrund im Kopf und dem Bewusstsein DIE herausragende archäologische Sensation Chinas zu besichtigen, fand ich den Ausflug sehr lohnend.

Die über 7000 Mann starke Armee von Tonkriegern, ließ kein anderer errichten als der erste Kaiser Chinas. Von paranoide Todesangst verfolgt, sucht er sein Leben lang wie ein Bessener nach einem Elexier der Unsterblichkeit. Schon als 13 jähriger, nach seiner Krönung zum König, beginnt er mit dem Bau der gigantischen Grabanlage. 700000 Bauern werden unter Todesandrohung gezwungen diese zu errichten. Obwohl das Leben des Kaisers peinlich genau dokumentiert ist, wurde über diese Anlage in den alten Berichten geschwiegen. Erst vor ca 30 Jahren, stießen Bauern beim Graben eines Brunnens auf diese Armee. Warum man darüber nichts niedergeschrieben hat und weswegen die Armee genau errichtet wurde ist bis heute rätselhaft. Auch das Grab des Kaisers selbst ist bis heute noch ungeöffnet, da man weiß, dass es mit vielen tödlichen Mechanismen gegen Grabräuber gesichert ist. Quin Shin Huangdi eroberte alle chinesischen Provinzen und machte sich 21 v. Chr. mit der erstmaligen Vereinigung zum ersten Kaiser von China. Anschließend regierte er mit äußerster Brutalität, viele Errungenschaften gehen jedoch auf ihn zurück: erster Bau der Großen Mauer, Vereinheitlichnung von Gewichten und Maßen, neue Gesetze und ein neues Verwaltungssystem sowie eine gemeinsame Währung und Schrift. Kein Gesellschaftlicher Umbruch hat das Land neben den kommunistischen Kulturrevolutionen so verändert wie die Reichseinigung. Die Tonfiguren selbst wurden in mehr als 85 kleinen Werkstätten hergestellt. Jeweils 5-10 Soldaten in einer Serie und trotz der Serienfertigung gleicht keine Figur der anderen. Immer noch unklar ist, wie die Figuren als Ganzes gebrannt werden konnten ohne zu Zerplatzen. Selbst heute ist es noch nicht gelungen die Tonpferde in Originalgröße herzustellen.

Ausgrabungshalle 2
Ausgrabungshalle 2

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Ausgrabungshalle 1

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Für die Rückfahrt habe ich natürlich wieder den gleichen Bus gewählt. Ausgestattet mit einem chinesischen Snack, einer Art Pitabrot mit einer würzigen Füllung (es könnte eine Art Hackfleisch sein, möchte es lieber nicht wissen, aber es schmeckt sehr gut) geht es wieder zurück. Der Bus ist übrigens nicht der Neuste, ist aber mit Flatscreen ausgestatten auf dem Voice of China läuft.
Level 4 bestanden!

Die letzte und größte Aufgabe des Tages war es noch die Bustickets zu besorgen. Eigentlich dachte ich, dass es das einfachste wäre die Tickets nach Hua Shan zu bekommen, da dies ein beliebter Ausflug von Xi’an ist. Ich habe mir vorher erklären lassen wie man Hua Shan ausspricht. Voller Zuversicht habe ich offensichtliche Ticketverkäufer nach Hua Shan gefragt. Diese Antworteten jedoch nur mit Kopfschütteln. Erst als ich die Schriftzeichen aus dem Lonley Planet gezeigt hatten sagten sie ungefähr genauso wie ich es zuvor gesagt habe „Ah Hua Shan!“ und deuteten in eine Richtung. Dies ging dann ungefähr viermal so bis ich vor einem Stand war, auf dem das Zeichen, das nun auch ich kannte zu sehen war. Allerdings weigerte man sich mir das Ticket zu verkaufen. Ich habe das so verstanden, dass ich morgen einfach zu dem Stand kommen muss und sie erst dann verkaufen können. Anschließend habe ich mich noch um das Ticket von Wundang Shan gekümmert. Durch eine exakte Beschreibung aus einem Internetforum habe ich das Ticket recht schnell gefunden und gerade noch rechzeitig kaufen können bevor der Schalter schloss.
Level 5 bestanden!

Stadtmauer
Stadtmauer
Da hat sich wohl jemand schröpfen lassen!
Da hat sich wohl jemand schröpfen lassen!
Kalligrafie
Kalligrafie
mein Abendessen
mein Abendessen
mein Abendessen
mein Abendessen

Somit habe ich alle Herausforderungen des Tages gemeistert und bin nun ziemlich zuversichtlich was die kommenden Wochen hier in China angeht.

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