Xi’an Tag 2: Hua shan

Ca. 2 Busstunden von Xi’an liegt das taoistische Gebirge Hua Shan entfernt. Nicht zu verwechseln mit dem noch bekannteren Gebirge Huang Shan, nahe Shanghai. Nachdem man mir gestern kein Ticket mehr verkaufen wollte, bin ich heute morgen wieder an die gleiche Stelle gegangen und wurde sofort in den nächsten Bus verfrachtet. In dem gleichnamigen Ort Hua Shan angekommen, fuhr der Bus in irgendeinen Hinterhof, wo alle Chinesen ausgestiegen um in eine Art Imbiss in dem Hof zu gehen. Unwissend bin ich einfach mal hinterher getigert. Sie haben sich dann an Tische gesetzt und es hat jemand angefangen etwas zu erklären. Für mich hat sich keiner interessiert, daher bin ich einfach nach draußen gegangen und habe nach den Touristenschildern Ausschau gehalten, die mir auf der Hinfahrt schon aufgefallen sind. Etwas die Straße hoch fand ich mein Ziel.

Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten über den Nordgipfel, auf den heiligen Berg zu kommen. Mit einer österreichischen Seilbahn, von der Talstation einen steilen Weg hoch, oder einen längeren Weg (ca 6 km) direkt vom Busbahnhof ab, der flacher sein soll. Möglichkeit eins kam für mich nicht in Frage, da ich schon zu Hauf mit österreichischen Seilbahnen gefahren bin und schließlich nicht zum Vergnügen hier bin, sondern um die Wurzeln des Taoismus zu ergründen. Da die alten Taoisten wohl kaum mit der Seilbahn hochgefahren sind und ich unter mäßiger Höhenangst leide – der steile Weg ist wohl sehr halsbrecherisch – entschied ich mich für den langen, flachen Weg. Es bleibt jedoch noch zu erwähnen, dass es ab dem Nordgipfel die Gipfeltour erst so richtig los geht, von ca 1600 m auf ca 2100 m.

Den Zugang zu dem Weg bildete eine taoistische Tempelanlage. Gerne hätte ich mich hier etwas genauer umgesehen, wollte aber keine Zeit verlieren, da ich nicht wusste was mich oben erwartet. Mit vollgepacktem Rucksack (Netbook – damit ich jetzt gleich tippen kann -. Kamera 4 l Wasser, Pulli falls es oben kühler ist, Kamera) habe ich den Aufstieg begonnen. Laut Reiseführer steigen die erste 4 km langsam an und die letzten 2 dann steiler. Ich weiß nicht wo der Autor sonst unterwegs ist, aber für mich war das flache Stück schon ziemlich anstrengend. Der Weg übrigens, war von Beginn bis Ende gepflastert.
Gesäumt hatte den Weg immer von taoistischen Symbole oder Hinweise. bzw. zwei kleineren Tempelanlagen. Da die Türe offen stand bin ich leise rein um mich um zusehen. Im zweiten noch kleineren Tempel ist auf einmal ein alter taoistische Mönch aus einer Tür gekommen. Ich denke, dass er den kleinen Tempel alleine bewohnt. Er sah in seiner Kluft so aus, wie man sich eben einen einsam in den Bergen lebenden Mönchen vorstellt. Ich habe ihn höfflich gebeten ein Foto von ihm machen zu dürfen. Dies hat er allerdings verneint, so dass ich ihn euch leider nicht zeigen kann!

Auch das Gebirge an sich ist so wie man sich einen heiligen chinesischen Berg vorstellt. Steile, schroffe Felswände und nebelverhangene Gipfel. Außerdem waren zu meiner Überraschung recht wenige Wanderer unterwegs, so dass es nach dem Chaos der Metropolen eine sehr angenehme, ruhige Abwechslung war. Anhand meiner GPS Uhr konnte ich genau verfolgen wie hoch ich schon gestiegen bzw. weit ich schon gelaufen bin. Nach diesen „flachen“ 4 km wurde es dann so langsam aber sicher doch endlich steil. Und mit steil meine ich auch steil. Ich möchte nicht wissen wie viele Stufen ich heute gestiegen bin. Stufe für Stufe ging es nach oben. Auf so etwas habe ich mich in meinem „Trainingslager“ in Kiefersfelden vor kurzem, nicht einstellen können. Die Bergtour dort war richtiger Kindergarten gegen diese Tour heute. Teilweise war es so steil, dass es eigentlich keine Treppen, sondern eher Leitern waren! Ich hatte mich auch anfangs bei der Abfahrt in Xi’an gefragt, warum der Busfahrer so eine Arte Frottehandschuhe verkauft. Meine erste Idee im flachen Abschnitt war, damit man sich die Unmengen Schweiß von der Stirn wischen kann. Später habe ich verstanden, dass man sich damit an den rostigen Eisenketten entlang der Treppe festhalten kann.

Leider hat sich in diesem Abschnitt der Nebel auch zu nehmend verdichtet. Man hatte zwar immer eine super Sicht, Panoramablicke blieben mir jedoch leider verwehrt. Nach gut 3 Stunden hatte ich dann den Nordgipfel (ca. 1600 m) erreicht. Ein Gipfelkreuz sucht man dort oben vergebens. Das wäre doch mal eine nette Aktion, sich eines aufzustellen! Dafür gibt es jede Menge Souvenirgeschäfte. Hier war es nämlich plötzlich vorbei mit meiner idyllischen Ruhe. Die österreichische Seilbahn leistet gerade am Wochenende Bestarbeit. In der Hoffnung weiter oben einen tollen Panoramablick zu bekommen, habe ich meine Tour – nun in der Karawane – entlang des Grades fortgesetzt. Die Felsformationen waren genauso spektakulär wie Routenführung. Natürlich mit nach wie vor gepflasterten Treppen und immer ein rostige Eisenkette zur Seite. Je höher ich jedoch stieg, um so nebeliger wurde es. Daher kehrte ich bei einer erreichten Höhe von 2026 m um. Meine Ausgangshöhe am Mittag lag übrigens bei ca. 300 m. Nun musste ich wieder zum Nordgipfel zurück, um von dort mit der Seilbahn ab zu fahren. An der Bergstation jedoch, hat sich inzwischen eine Riesenschlange formiert. zum Glück hatte ich ausreichend Pufferzeit einkalkuliert und nun den letzten Bus nach Xi’an erwischt.

Eigentlich wollte ich meinen Blog für heute an dieser Stelle beenden. Jetzt sind wir mitten in Xi’an aber in ein kleineres Unwetter mit überfluteten Straßen gekommen, was zu einem totalen Verkehrsinfarkt geführt hat. Eine Stunde später konnte sich der Bus endlich befreien und fährt nun wohl außen herum den Bahnhof an. Hoffe, dass wir bald da sind!

5 Kommentare


  1. ·

    Hallo,lieber Johannes!
    Super deinen Reisebericht zu lesen und zu wissen was du alles erlebst.viel Glück auf deinem weg.
    Herzliche gruesse von sabine

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  2. ·

    Lieber Johannes,
    habe von Oma Deine web-Adresse erhalten. Das ist eine ganz fabelhafte Idee, die Daheimgebliebenen an Deinem Abenteuer teilhaben zu lassen. Gerne werde ich die weitere Reiseerlebnisse hier verfolgen.
    Paß gut auf Dich auf immer nach der Devise: peel it, wash it, or leave it.
    Wie das auf Chinesisch lautet musst Du erfragen.
    Herzliche Grüße aus der Heimat
    Marina

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  3. ·

    Lieber Johannes,
    wir lieben Bergtouren auch sehr, aber so steile Anstiege sind nur was für trainierte Leute.
    Viele schöne Eindrück sehen wir auf Deiner Seite und werden Dich gerne weiter hier begleiten.
    Pass gut auf Dich auf und komm gesund wieder heim.
    Liebe Grüße
    Marina und Achim

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  4. admin
    ·

    Hallo Marina & Achim,

    freut mich, dass es euch gefällt! Ja diese Tour war schon krass, aber rückblickend auch echt lohnenswert. Mit dem Wudang Shan werde ich ja mindestens noch einen Berg besteigen. Ob ich auch noch auf den Huang Shan gehe weiß ich noch nicht. Aber wahrscheinlich werde ich wohl eher die Traumlandschaft um Guilin vorziehen.

    Ganz liebe Grüße nach Frickenhausen,

    bis bald
    Johannes

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